Interview: Jayrôme C. Robinet
Illustration: Natyada Tawonsri

Die Eckpunkte der Bundesregierung für ein Selbstbestimmungsgesetz wurden im Juni vorgestellt. Umstritten dabei ist das Thema Transition bei Kindern und Jugendlichen. Dana, in deinem Text „Hormonal Wars“ hast du die Diskurse bezüglich Hormonblocker seit den 1970er- Jahren untersucht. Was ist dir dabei aufgefallen? Dana Mahr: Für mich war es interessant zu untersuchen, wie Pubertätsblocker eigentlich konzeptualisiert wurden, in welchen sozialen Kontexten sie erprobt wurden und wie sie heute angewendet werden. Mir ist aufgefallen, dass es da viele diskursive Verschiebungen und Anwendungskontexte gab. In den späten 1970er- und 1980er-Jahren wurde zunächst überlegt, ob es die Möglichkeit gibt, Lupron (Pubertätsblocker, Anm. d. Red.) als Pille für den Mann einzusetzen, also als Verhütungsmittel. Aber die Hersteller entschieden sich

dagegen, mit der Begründung, dass bei Männern damit eine Entmännlichung einhergehen würde. Dann gab es die Idee, den Wirkstoff für Leute einzusetzen, bei denen die Pubertät sehr früh beginnt, damit diese den sozialen Normen entsprechend „normal“ eintreten kann. Diese Verwendung war sehr lange unproblematisch. Viele Studien zeigen, dass die Nebenwirkungen dabei minimal sind. Ein weiteres Anwendungsfeld waren Sexualstraftäter*innen, deren Libido damit verändert wurde. Seit den Neunzigern ist dann ein Paradigma der Affirmation Care für trans Jugendliche hinzugekommen: Jungen trans Menschen soll ein Aufschub vor der hormonellen Pubertät eingeräumt werden, damit sie die Zeit bekommen, um zusammen mit Therapeut*innen und Mediziner*innen herauszufinden, ob sie wirklich trans sind. Es hat sich erwiesen, dass Hormonblocker helfen können, die Genderdysphorie von jungen trans Menschen zu verringern.

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