Chatten und so

Die Pandemie hat die Renaissance des Sextings eingeleitet. Doch unsere Autorin geht way back.

Ich erzähle meine Online-Slut-Origin-Story oft so, als wäre Sexting für mich ein pandemiebedingtes Phänomen. Das stimmt nicht ganz. Klar hat der Spaß in den letzten zwei, drei Jahren seine Höhepunkte erreicht, aber als sogenannte Millennial ist Sexting für mich eine antike Praxis. Ich habe gesextet, als es noch keine DSL-Anschlüsse gab. Im Jahr 2005 ließ ich regelmäßig den alten Computer meiner Eltern hochfahren, um im MSN-Messenger mit meinen (digitalen) Crushes risky Messages auszutauschen.

Meine Eltern hätten mir niemals erlaubt zu daten, aber ich war neugierig und wollte mich im Chat ausprobieren.

Jetzt lebe ich seit über einem Jahrzehnt nicht mehr dort, aber sexten tu ich immer noch. Als Langzeitsingle, der meist keinen Bock hat, in volle, verrauchte Bars zu gehen, muss man gucken, wo man bleibt. Am Anfang der Pandemie begann ich aus Versehen eine long-distance romance über Snapchat, weil ich horny war. Das Erste, was er von mir sah, war mein Arsch, aber Sexting wurde zu verliebten Videocalls (manchmal mit Camsex) und schließlich zu Langstreckenflügen und einer kurzlebigen Affäre. Wenn ich darüber nachdenke, sind schon einige Social-Media-Flirts mit Leuten aus anderen Städten ins echte Leben übergeschwappt. Mit anderen habe ich fast nebenbei gesextet, und wenn man sich in der U-Bahn wiedertrifft, nickt man sich kurz zu, ohne das Bedürfnis zu haben, übereinander herzufallen. Sexting ist fast frei von räumlichen und zeitlichen Zwängen, fast frei sogar von körperlichen Barrieren, wenn man ausschl…