Work Work Work: Der Bestatter

Julian Heigel erzählt von seinem beruflichen Alltag als Bestatter.

Interview: Merle Groneweg

Warum bist du Bestatter geworden?
Am Anfang hat mich das Thema Tod sehr umgetrieben: Was passiert mit uns und unseren Körpern, wenn wir sterben? Inzwischen liegt mein Interesse eher bei den Menschen, ihren unterschiedlichen Biografien und Bedürfnissen.

Missy Magazine 01/23, work work work
© privat

Gibt es im Bestattungsprozess von queeren Menschen bestimmte Aspekte, für die du besonders sensibilisiert bist?
Ja, z. B. bin ich mit polyamorösen Beziehungskonstellationen vertraut oder damit, dass es in manchen Familien keine leibliche Elternschaft gibt. Bei trans Personen agiere ich häufig als Puffer zwischen den Zugehörigen und den Behörden: Ich achte darauf, dass Name und Geschlechtsidentität nicht infrage gestellt werden. Es geht um einen wertschätzenden Umgang mit Körpern und Geschichten.

Was gefällt dir an deiner Arbeit?
Ich lerne immer wieder neue Familien- und Beziehungskonstellationen und damit auch Lebensentwürfe kennen. Und ich freue mich, Menschen mit einem offenen Ohr, Fragen und Vorschlägen zu begleiten. Es ist berührend zu sehen, wie heilsam und hilfreich selbstbestimmte Abschiede sein können.

Dieser Text erschien zuerst in Missy 01/23.