Von Sonja Eismann

Francesca ist eine berühmte Klimaforscherin, die mit wütenden Weckrufen um die Welt reist. Doch als der Roman beginnt, spielt sie schon keine Rolle mehr. Wir begegnen ihr im Rückblick, durch die Erinnerungen von Caro, Pauly und Sally. Caro ist die Stieftochter von Francesca, Pauly ist ihr Sohn und der 14 Jahre jüngere Halbbruder von Caro, und Sally ist eine Bekannte aus dem Dorf. Gemeinsam wohnen sie im High House hoch über der englischen Küste. Dorthin haben sie sich gerettet, kurz, bevor es zu spät war. Jetzt ist das Dorf unten im Wasser verschwunden und ihr Alltag vom täglichen, leisen Kampf um die

Selbsterhaltung geprägt: Brot gibt es nur noch zu besonderen Anlässen, selbstgebacken aus kostbarem Weizen, aber grau und pappig. Köstlichkeiten wie Zucker sind so gut wie verschwunden, der von der eigenen Wassermühle angetriebene Generator liefert ein Minimum an Strom. Die kleine Schicksalsgemeinschaft ist den immer heftiger werdenden Wettergewalten ausgesetzt und lebt ähnlich unseren Vorfahr*innen vor Hunderten von Jahren. „Überlegen sich die Leute eigentlich nicht, woher ihr Essen kommt?“, fragt in Sallys Erinnerung ihr Großvater Grandy, der ihr in besseren Zeiten all die jetzt so überlebenswichtigen landwirtschaftlichen Subsistenztechniken beigebracht hatte. „Glauben sie, es fällt in einer Kapsel auf die Erde?“

Missy Magazine 03/23, Sonderausgabe, Literaturaufmacher © Jassy …