Liebe*r Leser*in!

Wir haben in den letzten Wochen, wie du wahrscheinlich auch, viel diskutiert, nachgedacht, um die richtigen Standpunkte gerungen, uns solidarisiert, gestritten und oft einfach nur getrauert. Nach wie vor sind wir erschüttert vom Ausmaß der mörderischen Gewalt der Hamas, von der Angst jüdischer Menschen auf der ganzen Welt und von den vielen zivilen Opfern, die die israelischen Militärschläge in Gaza gefordert haben. In unserem Dossier gehen wir der Frage nach, welche Verwerfungen dieser Krieg auch innerhalb hiesiger politischer Debatten und Positionierungen verursacht und inwieweit Antisemitismus und Rassismus Teil deutscher Staatsräson sind. Wie wir es schon im letzten Heft angekündigt hatten, werden wir uns all diesen Komplexen auch in Zukunft widmen und versuchen, den damit verbundenen Konflikten möglichst multiperspektivisch gerecht zu werden. Die Gesprächsrunde in diesem Heft ist ein Anfang, mit dem wir verschiedene Positionen abbilden möchten. In unserem Dossier gehen wir außerdem innerlinken Spaltungen und hyperpolitischen Tendenzen nach sowie der Frage, wo wir zusammenfinden können. Unser Titelthema ist ebenfalls Teil des Dossiers, denn vier Jahre nach dem Anschlag in Hanau – auch nachdem der Untersuchungsausschuss ein Ende gefunden hat – warten Angehörige noch immer auf Konsequenzen. Trotz allem verlieren wir Themen wie den Bau des Tren Maya durch indigenes Gebiet in Mexiko, Antiromaismus oder das Leben mit Lipödem nicht aus dem Blick. Wir hoffen, dass du gut ins neue Jahr gekommen bist und immer noch genug Idealismus hast, um gemeinsam mit Missy für eine gerechtere Welt zu streiten.

Deine Missys

Anmerkung der Redaktion:

Am 15.01.2024 haben wir unser aktuelles Missy Cover gepostet. Seitdem haben uns viele Nachrichten erreicht. Darunter positiver Zuspruch, aber auch Kritik. Da wir diese Community als einen Ort des Austausches verstehen, haben wir euer Feedback und eure Perspektiven innerhalb des gesamten Missy-Teams eingehend diskutiert, mit folgendem Ergebnis:

Wir verabschieden uns von diesem Cover und entschuldigen uns aufrichtig bei allen Menschen, die wir durch unsere Gestaltung verletzt haben. Das Gegenteil wollten wir bewirken: Wir wollten das Thema stark machen und den Opfern, Überlebenden, Angehörigen und Hinterbliebenen den größtmöglichen Raum geben. So wie es im Text zum Cover passiert. Wir hören euch zu und wissen deshalb, dass wir unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden sind. Deshalb machen wir einen neuen Covervorschlag, diesmal ohne Gestaltung, mit dem wir ab jetzt online agieren werden. Wir hoffen so damit weiter machen zu können, was uns wirklich wichtig ist: über Rassismus in Deutschland zu sprechen, über die Zeit nach dem Anschlag von Hanau, über die Opfer und deren Angehörige – und nicht über uns selbst. 

Aufschlag

Eine Escort-Agentur wie keine andere. Das Paramour Collective in Berlin ist eine Genoss*innenschaft wie keine andere: Hier bestimmen die Sexarbeiter*innen selbst über ihre Arbeit. – S.12

Lieblingsstreberin: Lexi Howard. – S. 13.

Work Work Work: Vorsitzende des DGB Hamburg. – S. 14

Hä, was heißt denn Antiromaismus/ Antisintiismus? – S. 15  

Kultur & Gesellschaft

Leiser Feminismus aus Südkorea. In Cho Nam-Joos neuem Roman „Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah“ widmet sich die koreanische Autorin einem Leben in Armut, dem Verschwinden von Träumen und dem Festhalten an Erinnerungen. – S. 17

Eine der Einflussreichsten der Hamburger Kunstszene. Anna Oppermanns Werke gehören zu den beeindruckendsten Vorläufern der Kunstszene der 1970er. Die Bundeskunsthalle Bonn widmet ihr jetzt eine große Retrospektive. – S. 20

Eine Person mit vielen Stimmen – Rosa Anschütz. In ihrem dritten Album „Interior“ bekämpft die Musikerin mit verschiedenen Stimmlagen Stereotype und Fremdbestimmung. – S. 22

Würde auch ein weiblicher Woyzeck den Geliebten töten? Ein Gespräch mit Dokumentarfilmerin, Hörspiel- und Theaterregisseurin Bojana Lazić, die Büchners Dramenfragment am Theater Freiburg inszeniert hat. – S. 24

3D-Animation von Jae Yeon Kim. Von Pixar und Studio Ghibli zu fluiden 3D-Animationen, die mit Gender-Konventionen brechen. – S. 26

Politik & Protest

Proteste made in Bangladesh. In Bangladesch spielen sich seit Herbst die größten Proteste von Textilarbeiter*innen seit Langem ab – trotz massiver Repressionen. – S. 33

Queere Gesundheit bleibt eine Klassenfrage. Was hat das Selbstbestimmungsgesetz mit Selbstbestimmung zu tun? Gerade in der Gesundheitsversorgung bleiben trans, inter und nicht-binäre Menschen auf sich selbst gestellt. – S. 36

„El sur resiste“: Der Süden wehrt sich. Eine 1500 Kilometer lange Zugstrecke auf der Halbinsel Yucatán in Süd-Mexiko soll für Tourismus und wirtschaftliche Entwicklung sorgen – doch gegen das Bauprojekt regt sich Widerstand. – S. 40

Dossier: To The Left, To The Left

Deutschland ist nicht nur diskursiv nach rechts gerutscht, sondern auch realpolitisch. Warum gibt es keinen größeren antifaschistischen Widerstand dagegen, wo alle doch so politisiert scheinen? Ein Dossier über zerstrittene Linke, über rassistische und antisemitische Gewalt, Gedanken ans Auswandern, Beschlüsse zu bleiben und Überlegungen, was es braucht, um mit einer starken Linken ins neue Jahr zu starten.

Sind denn alle rechts geworden? Was tun, wenn Grüne und SPD rechte Politik machen und dabei helfen, dass das Land nach rechts rückt? Missy-Autorin Nelli Tügel analysiert die aktuelle Parteienlandschaft und fragt sich, was das für progressive Bewegungen bedeutet. – S. 48

Ist Online-Aktivismus immer performativ? Immer mehr Menschen scheinen heute politisiert zu sein, zumindest auf Social Media. Wieso ändert sich trotzdem so wenig? – S. 53

(Wie) Kann die Linke wieder zusammenkommen? Seit dem 07. Oktober scheint die innerlinke Spaltung unüberwindbar. Woran liegt das und wie können wir wieder zusammenfinden? Ein Gespräch moderiert von Missy-Redakteur*in mit Hengameh Yaghoobifarah mit Dana Vowinckel, Gözde Günaydin und Elisa Aseva. – S. 56

Wie der Staat die Täter schützt. Das Ergebnis des Untersuchungsausschusses zum Anschlag von Hanau ist für Angehörige und Hinterbliebene eine Enttäuschung. – S.60

Goodbye Deutschland? Einige rassifizierte Menschen denken übers Auswandern nach, aus politischen Motiven heraus. Doch wohin? Und was wird aus denen, die nicht auswandern können? – S.64

Sex, Körper & Style

Kinky: Sex mit Dämonen. Der Kink unserer Autorin ist Sex mit Dämonen. Sie verschlingt in ihrer Fantasie als Mean Goddess cis Typen wie die lächerlichen Snacks, die sie sind. – S. 67

Chronische „Frauenkrankheit“: Lipödem. Jede zehnte Frau ist betroffen. Sie leiden dabei nicht nur unter physischen Schmerzen. Dennoch ist die chronische Erkrankung weitgehend unbekannt. – S. 68

Moodboard. – S. 70

Styleneid: Mysha. Früher hat es die Sozialarbeiterin und Musikerin Mysha gestört, wenn andere sie angestarrt haben. Heute denkt sie: alles richtig gemacht. – S. 71

Inklusive Fashion-Industrie – wie geht das? Nadine Rokstein begeistert sich für Mode – und sie ist blind. Wie sie sich im Alltag stylt, erzählt sie in einem Erfahrungsbericht. – S. 72

Edutainment

Riesenseufzer. Marika Hackmans neues Album „Big Sigh“ erzählt von der entfesselnden Kraft der Musik. – S. 75

Musiktipps 01/24. – S.76

Podcasttipps 01/24. – S. 80

Kinostart „Olfas Töchter“. Der Dokumentarfilm der Regisseurin Kaouther Ben Hani geht der Frage nach, wie die Töchter von Olfas Hamrouni sich dem IS anschließen konnten. – S. 81

Wie geht „The L-Word“ weiter? Die Serie galt als queerer Hit, obwohl sie sich so manchen Fehltritt leistete. Gen Q versucht, alte Fehler zu umgehen. – S. 82

Filmtipps 01/24. – S. 82

Frauen in Einsamkeit. Die Autorin Marlen Haushofer wurde von der Literaturgeschichte lange übersehen. Jetzt werden ihre Werke gesammelt neu veröffentlicht. – S. 87

Literaturtipps 01/24. – S. 88

Comictipps  01/24. – S. 92

Feministische Ikonen: Barbara Yelin über Emmie Arbel. Die Comic-Künstlerin bewundert die Rebellion der Shoah-Überlebenden Emmie Arbel. – S. 93

Zu Hause im Exil. Im September ist der Schriftsteller Khaled Khalifa verstorben. Trotz des Verbots seiner Texte in Syrien war er zu Lebzeiten die Seele der syrischen Erzählkunst – und bleibt es auch heute. – S. 94

Ausstellungstipp: „A Journey You Take Alone“. Emma Talbot stellt in der Kunsthalle Gießen flirrender Zeichnungen, Animationen und dreidimensionaler Figuren aus. – S. 95

Zuhause im Asiamarkt. Für unsere Kolumnistin sind Asiamärkte mehr als nur Lebensmittelläden. Hier fühlt sie sich selbstverständlich diasporisch. – S. 98

Weitere Hefte

  1. Magazin 03/2024

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